Dr. David Bittner

Der Bärenmann

«Beim Zähneputzen habe ich 39 Bären gezählt»

Für edelline Gastgeber Dr. David Bittner ist «Balu» kein gemütlicher Bär aus dem Dschungelbuch, sondern ein Wildtier, das seinen Respekt verdient. Der Bärenforscher führt Sie im Juni und September dieses Jahres in die unberührte Natur Alaskas. Dort werden «Balu» & Co. David Bittner beobachten und sich ihm friedlich nähern.
 

Auszüge aus dem Interview mit Dr. David Bittner gibt’s weiter unten als Video.

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Wer bist Du?
Ich heisse David Bittner, bin Wissenschaftler und Biologe, 44 Jahre alt und habe mit meiner lieben Frau zwei hübsche Töchter. Seit mittlerweile 20 Jahren reise ich in die Wildnis Alaskas, um Zeit mit den Bären zu verbringen. Diese Leidenschaft teile ich mit meiner Familie.

Mit welchen drei Worten würde Dich Deine Familie beschreiben?
Familienmensch. Unternehmungslustig. Naturentdecker.

Dein grösstes Talent?
Mich selbst zu loben, fällt mir schwer. Aber ich würde schon sagen, dass ich dank meiner Erfahrung, in der Wildnis zu leben, pragmatisch, schnell und unkompliziert meistens die richtigen Entscheidungen treffe.

Deine grösste Schwäche?
In einer Gruppe gibt es stärkere und schwächere Mitglieder. Auf der Suche nach dem optimalen Mittelweg beziehe ich meine Gäste gerne in die Entscheidungsfindung mit ein. Deshalb fehlt mir ab und zu der Mut, selbst zu entscheiden. Das kann zu Konflikten führen. Ich kann es nie allen recht machen.

Was ist Deine liebste Freizeitbeschäftigung?
Die Familie kommt an erster Stelle. Dann bin ich passionierter Naturfotograf und unternehme gerne Reisen an abgelegene Orte. Es müssen nicht immer Alaska und die Bären sein. So plane ich demnächst eine Arktis-Expedition in die Nähe des Nordpols. In der Tundra gibt es einzigartige Ökosysteme. In dieser Kältesteppe leben seltene Tierarten wie etwa die Polarwölfe. Ich träume davon, dereinst ein Rudel Polarwölfe kennenlernen zu dürfen, ihr Vertrauen zu gewinnen und mit ihnen mehrere Monate lang zusammenzuleben – so wie mit den Bären.

Hast Du ein Lieblingsbuch?
Ich habe mehrere Lieblingsbücher. Alle drehen sich um Wildnis, Tiere und Abenteuer. Schon als kleiner Bub begeisterten mich Jack Londons Romane, die das Duell Mensch gegen Tier in extremer Natur schildern. Auch die Geschichte von Ernest Shackleton in der Antarktis zog mich in den Bann. Und natürlich Bücher über Menschen, die viel Zeit mit Bären und Wölfen verbringen.

Welches ist Dein Lieblingslied und was bedeutet es Dir?
Ich höre gerne Musik der irischen Rockband U2. Speziell das Lied «Where The Streets Have No Name». Es symbolisiert perfekt die Wildnis und den Freiheitsdrang.

Worauf bist Du am meisten stolz?
Auf meine Familie, unseren Zusammenhalt und darauf, dass ich mein Wissen an meine beiden Töchter weitergeben darf. An zweiter Stelle kommen dann sicher die Bären. Es ist nicht selbstverständlich, dass es in der Wildnis Alaskas einzelne Bären gibt, deren Vertrauen ich gewinnen konnte. «Balu» heisst einer von ihnen. Wir lernten uns 2003 kennen, zuletzt habe ich ihn 2018 gesehen. Während 15 Jahren kreuzten sich unsere Wege immer wieder. Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Wildtier, das in der unendlichen Wildnis irgendwohin laufen könnte, hält sich in regelmässigen Abständen in meiner Nähe auf. Das ist eine überwältigende Erfahrung.

Woran merkst Du, dass «Balu» Dich kennt?
Eine sehr gute Frage. Als Wissenschaftler und Biologe bin ich es seit Jahren gewohnt, rationale Antworten zu geben. Wenn ich jedoch zu meinen Begegnungen mit einer Handvoll Bären in Alaska befragt werde, fällt es mir schwer, vernünftig zu antworten. Nach zahlreichen Erlebnissen mit Bären ist es meine innere Überzeugung, dass sie mich wiedererkennen. Woran das liegt, ist unklar. Sie könnten mich aufgrund meiner Stimme, meines Aussehens oder Geruchs identifizieren.

Deshalb greifen Dich die Bären auch nicht an – weil sie Dich kennen?
Wenn ich auf diese Bären treffe, sind eine gewisse Ruhe und Vertrautheit sofort da. Es braucht sehr viel Zeit und Geduld, bis sich ein Wildtier von sich aus einem Menschen annähert. Es muss sich wohl fühlen dabei und den Menschen nicht als Bedrohung wahrnehmen. Natürlich spielt auch die Neugier der Bären eine wichtige Rolle. Je schneller ich die Bären wieder treffe, desto kürzer fällt die Annäherungsphase aus.

Hast Du keine Angst, allein in der Wildnis zu sein?
Natürlich habe ich Angst. Wenn nachts ein Bär vor meinem Zelt herumschleicht, schlägt mein Herz schneller. Einen hohen Puls habe ich auch, wenn sich ein mir unbekannter Bär annähert. Bärenbeobachtungen in der freien Wildbahn zeigen mir stets aufs Neue, dass man nie den Respekt vor Wildtieren verlieren darf. Es müssen klare Regeln eingehalten werden. Bären sind keine Kuscheltiere.

Wurdest Du jemals von Bären angegriffen?
Nicht direkt. Es entspricht nicht dem Naturell des Bären, dass er Menschen angreift. Das sind falsche Vorstellungen, die in den Medien gerne kolportiert werden. In all den Jahren erlebte ich die eine oder andere Situation mit jungen, frechen und männlichen Bären, die unangenehm waren. Sie signalisierten mir anhand ihrer Nervosität und Unruhe, dass ich nicht willkommen war.

Wann hast Du das letzte Mal geweint – und warum?
Die letzten Gefühlsausbrüche hatte ich bei den Geburten meiner Töchter. Es waren Freudentränen – einfach überwältigende Erlebnisse.

Wovor hast Du am meisten Angst?
Wir befinden uns aktuell in einer bisher nie dagewesenen Krise. Die existenziellen Ängste vieler Menschen nehmen extrem zu. Paradoxerweise trifft mich die Corona-Pandemie nicht mit voller Wucht. Wer mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht, findet meistens den richtigen Weg. Ich lebe im Hier und Jetzt und möchte das Maximum aus meinem Leben herausholen. Was morgen sein wird, bereitet mir auf jeden Fall kein Kopfzerbrechen und Begriffe wie Vorsorge spielen eine untergeordnete Rolle.

Welches Erlebnis hat Dein Leben nachhaltig geprägt?
Dass ich den Mut hatte, vor 19 Jahren meine Komfortzone zu verlassen, in ein Wasserflugzeug zu steigen und mit einem Survival-Kit drei Monate in die Wildnis Alaskas zu ziehen. Ich wusste lediglich, dass ich auf Bären treffen und völlig auf mich allein gestellt sein würde.

Was gefällt Dir besonders gut an Deiner Berufung als Reisegastgeber?
Anfänglich war ich eher ein wenig skeptisch. Bärenbeobachtungen in der freien Wildnis sind für mich etwas sehr Persönliches und Privates. Als ich jedoch merkte, wie viele Menschen sich für Bären interessieren und bereit sind, einen Batzen Geld dafür auszugeben, habe ich eine erste Reise durchgeführt und festgestellt: Das ist eine wunderschöne Sache. In einer kleinen Gruppe unter Gleichgesinnten einzigartige Momente zu erleben und sie zu teilen, ist inspirierend.

Welches ist Deine bisher emotionalste Reise gewesen?
Einmal nahm eine über 80-jährige Frau an einer Bärenreise teil. Schon beim Vorbereitungstreffen in der Schweiz waren zahlreiche Gäste und ich besorgt, dass die Seniorin überfordert und eher eine Last für die Gruppe sein könnte. Einmal in der Wildnis, verflogen unsere Befürchtungen. Die Frau war physisch und psychisch in bester Verfassung. Mit ihrer starken Ausstrahlung avancierte sie zum hochgeachtetsten Mitglied der Reisegruppe.

Welches ist Dein Sehnsuchtsort – in der Schweiz und im Ausland?
Du erwartest jetzt nicht, dass ich ein Denkmal in einer Stadt erwähne (lacht). Meine Sehnsuchtsorte sind Kraftorte in der Natur. In der Schweiz ist es der Sensegraben mit seinem unverbauten, natürlichen Flusssystem. In diesem Graben zwischen Bern und Freiburg gibt es praktisch keine Infrastrukturanlagen. Dies ist für die dichtbesiedelte Schweizer Kulturlandschaft aussergewöhnlich. Im Ausland ist es eine versteckte Lagune in der unberührten Natur Alaskas – das Zuhause von «Balu» & Co. Dieser magische Ort ist der schönste Zeltplatz der Welt. Dort habe ich beim Zähneputzen einmal 39 Bären gezählt.

Wenn Du wüsstest, dass morgen die Welt unterginge, was würdest Du noch tun?
Ich würde sofort die Familie zusammenrufen und je nachdem, wie viel Zeit noch bleibt, an einen dieser Sehnsuchtsorte reisen. Dort würde ich ein letztes Mal diese fantastischen Eindrücke aufsaugen.

Wie kam es dazu, dass Du als Gastgeber mit edelline im Juni und September dieses Jahres zwei Bärenreisen organisiert hast?
Die Zusammenarbeit ist dank einer langjährigen, schönen Bekanntschaft mit Eurem CEO, Beat Ackermann, zustande gekommen. Es freut mich sehr, dass edelline in der Schweiz zu den wenigen Reiseunternehmen gehört, die ihren Gästen mit Bärenreisen ein exklusives Naturerlebnis anbieten.

Was möchtest Du unseren Gästen auf diesen Reisen vermitteln?
Mir ist es wichtig, dass wir genug Zeit in der Wildnis verbringen. Viele Leute denken, dass es kostengünstiger wäre, die Reise auf zwei bis drei Tage zu beschränken und nicht acht Tage am Stück in der Wildnis bei den Bären zu bleiben. Die Reise richtet sich nicht an Gäste, die einen durchgetakteten Terminkalender haben, sondern ich möchte Leute begeistern, die bereit sind, in diese Welt einzutauchen, die bereit sind, einzelne Bären kennenzulernen. Mit gutem Gewissen kann ich garantieren, dass wir jeden Tag Bären sehen werden. Wir werden Bären mit dem Feldstecher aus 80 bis 150 Metern Distanz beobachten können. Manchmal werden sie so nahe zu uns kommen, dass wir sie riechen können und zwar auf Augenhöhe. Diese speziellen Begegnungen sind ein überwältigendes Erlebnis. Mein Ziel ist es, dass unsere Gäste nach ihrer Rückkehr jahrelang von diesen eindrücklichen Momenten zehren können. Und nicht selten kommen dieselben Leute ein zweites oder sogar drittes Mal mit nach Alaska (schmunzelt).

Welche Höhepunkte warten auf unsere Gäste?
Nebst Bären und spektakulären Naturlandschaften werden wir in der vielseitigen Fauna mit etwas Glück zahlreiche andere Tiere sehen, wie zum Beispiel Weisskopfseeadler, Robben, Wale, Wölfe, Kojoten, Elche und natürlich viele Vögel.

Was wird die Teilnehmer*innen auf der Reise überraschen?
Dass jeder Tag in der Wildnis eine neue Überraschung bietet (schmunzelt). Viele Gäste werden überrascht sein, wie schnell die Woche in der Wildnis vorbei ist, und wenn die Bären erst mal in der Nähe sind, wie schnell die Stunden verfliegen.

Müssen die Teilnehmer*innen spezielle Vorkenntnisse mitbringen?
Eine Bärenreise lässt sich nicht mit einer Safari vergleichen, wo die Gäste die ganze Zeit im Jeep sitzen. Eine gewisse Grundphysis für die täglichen Entdeckungstouren zu Fuss sollte vorhanden sein. Und wie ich erwähnt habe, ist mir das Vorbereitungstreffen in der Schweiz sehr wichtig. An dieser Infoveranstaltung wird unter anderem auch über die notwendige Ausrüstung informiert.

Was dürfen die Gäste beim Kofferpacken auf keinen Fall vergessen?
Die Kamera.

Interview: Thomas Wälti
 

 

Den Bären ganz nah

David Bittner wurde am 1. Februar 1977 in Bern geboren. 2009 promovierte der Biologiestudent an der Uni Bern mit einer Forschungsarbeit über die «Evolution von Felchenarten» und das «Management von Forellen».

Nach seiner Doktorarbeit hat der Berner für die Fischereiverwaltung des Kantons Aargau gearbeitet. Seit 2021 ist er Geschäftsführer des Schweizerischen Fischereiverbandes.

Seit 2002 reist der Abenteurer regelmässig nach Alaska, um die Kodiak- und Küstenbraunbären zu beobachten. Seine Erlebnisse hält der gefragte Vortragsredner mit Foto- und Filmaufnahmen fest. Dr. David Bittner lebt mit seiner Frau Cécile und den gemeinsamen Töchtern Léonie (10) und Rowena (8) in Schlossrued AG.

www.davidbittner.ch

 

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Aktuell haben wir folgende Reisen mit Dr. David Bittner im Angebot:

Unter Bären mit Dr. David Bittner

7. - 17. Juni 2021

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8. - 18. September 2021

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Im Herbst unter Bären mit Dr. David Bittner

15. September - 25. September 2021

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Impressionen von David Bittner

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Der Bärenforscher

Ein Leben unter Bären - der Biologe und Abenteurer David Bittner verbringt seit über 15 Jahren die Sommer in der abgelegenen Wildnis von Alaska. Nach einer Reise nach Alaska mit dem Ziel, die Lachswanderung mit eigenen Augen zu erleben, verfiel er bald der Faszination für die da lebenden Küstenbraunbären. Mit viel Zeit und Geduld gewann er das Vertrauen einiger Bären und erlebte sie aus nächster Nähe wie kaum ein anderer. Als Fotograf dokumentiert er diese spektakulären Momente mit aussergewöhnlichen Film- und Fotoaufnahmen und gewährt an seinen Vorträgen intime Einblicke in das Leben der Küstenbraunbären Alaskas.


Quelle: YouTube David Bittner