Perlen des Ostens - Tag 8

Hää? In Tallinn ist alles gut

Nach ausgiebigem Frühstück setzen wir unsere Reise nach Tallinn fort. Die Grenze zwischen den beiden EU-Ländern Lettland und Estland verläuft fliessend. Wir passieren sie, ohne anzuhalten. Einen Kaffeehalt legen wir in Pärnu ein – der Kurort gilt als eines der schönsten alten Ostseebäder. Es bläst uns fast in das 17 Grad kalte Wasser der Rigaer Bucht hinaus. Die Kitesurfer aber freuen sich. Sie setzen ihre Lenkdrachen in den Wind und nehmen rasch Fahrt auf.

Vom Winde verweht: Pärnu - eines der schönsten alten Ostseebäder.

Estnisch klingt wie Kauderwelsch

Auf der Fahrt nach Tallinn – Hauptstadt des kleinsten baltischen Staates – erteilt uns Nijole Sprachunterricht. Sie erzählt uns, dass die estnische Sprache mit der finnischen verwandt sei. Etwa 60 Prozent der Wörter würden die gleiche Bedeutung haben. Aber aufgepasst auf die anderen 40 Prozent! Wenn der Este sagt: «Das Zimmer ist sauber», versteht der Finne: «Die Leiche ist geschmückt».

Hää? In einem Regal eines Tallinner Geschäfts entdecke ich Gläser mit Wildschwein-Terrine. Was für mich wie Kauderwelsch tönt, heisst auf Estnisch: «Lecker, gut» – wenn es im Zusammenhang mit dem Satz Sinn macht. Hier ein paar Müsterchen aus der estnischen Sprache:

Jäääär = Rand des Eises
Öötöö = Nachtarbeit
Töööö = Nachtschicht
Tööroom = Genuss von der Arbeit
Kuuüür = Monatsmiete

Dann gibt es noch das vermutlich längste Wort: Sünnipäevanädalalopupeopärastlonaväsimatus. Was so viel bedeutet wie: Unbegrenzte Energie am Sonntagabend nach einer Geburtstagsfeier, die das ganze Wochenende gedauert hat.

Auch nicht schlecht ist folgender Zungenbrecher: Uusaastaöövastuvotuhommikuidüll, was so viel heisst wie Morgenidyll nach Neujahr.

Hää? Estnisch tönt Kauderwelsch. Wildschwein-Terrine.

«Olde Hansa» geniesst Kultstatus

Mit der wunderschönen Altstadt gehört Tallinn zum Unesco-Welterbe. Ein Besuch in der «Olde Hansa» gehört dazu. Im denkmalgeschützten Haus ist die Zeit stehen geblieben. Das Lokal hat Kultstatus in der Stadt. Interieur, Essen, Getränke sowie Geschirr und Kleidung der Bedienenden sind der Hanse-Zeit nachempfunden. Auf der Menükarte stehen typische Gerichte, die nach Originalrezepten gekocht werden. Darum wird auf Zutaten verzichtet, die erst nach dem 15. Jahrhundert in Europa eingeführt wurden.

Tallinns Gotteshaus: Die Alexander-Newski-Kathedrale deutet auf die russische Vergangenheit hin.

Harmonie an Bord von edelline

Auch Ursula Bühler geniesst Tallinn in vollen Zügen. Sie unternimmt bereits ihre fünfte Reise mit edelline. Auf die Frage, weshalb sie die Reise «Perlen des Ostens – St. Petersburg» angetreten hat, antwortet sie: «Mit Annagret und Jörg Thomann würde ich überall hinfahren. Sie verkörpern nicht nur Chauffeur und Reisebegleiterin an Bord. Ich schätze ihre Kompetenz, den respektvollen Umgang und die tolle, professionelle Organisation.»

Natürlich geniesse sie auch den Sitzkomfort im Bus und die Möglichkeit des Austausches mit Mitreisenden bei einer feinen Tasse Kaffee oder einem Glas Wein im Bistro an Bord. Ursula Bühler betritt mit der Reise in den Osten Europas Neuland. Sie hat weder Polen, Litauen, Lettland, Estland noch Russland zuvor bereist. «Ich bin überwältigt und geniesse den Moment.»

"Mit Annagret und Jörg Thomann würde ich überall hinfahren." Ursula Bühler (Mitte) lobt die edelline Gastgeber.

Bier wird mit Pistole serviert

Nach dem Nachtessen im Hotel besuchen ein paar edelline Gäste noch das coole Pub «Scotland Yard» um die Ecke. Bedient wird man von Angestellten in Polizeiuniform. Im Revolvergurt steckt eine Pistole. Ob sie wohl geladen ist? Ich will es gar nicht wissen und bezahle pflichtbewusst die Zeche.

Autor: Thomas Wälti

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