Perlen des Ostens - Tag 2

Zwischen Luther und Polen – Reise nach Posen

Auf dem Weg in die Lutherstadt Wittenberg werde ich nachdenklich. Der Edelliner passiert der Reihe nach Wellaune, Bad Düden und Tornau. Alles Ortschaften im tiefen Osten Deutschlands, die sich nach der Wende, so scheint es mir, kaum verändert haben. Vielleicht einen neuen Farbanstrich haben die typischen Einfamilienhäuser erhalten, die alle so gleich aussehen mit ihren quadratischen Grundrissen und steil aufragenden Dächern. Was sie allerdings sind: Eine schön anzusehende Alternative zu den Plattenbauten in den Grossstädten.

«Damals in der DDR» heisst meine bevorzugte Doku-Serie, die ich zu Hause hin und wieder einwerfe. Ich blicke aus meinem Panoramafenster und stelle mir also vor, wie es gewesen wäre, wenn ich die Deutsche Demokratische Republik tatsächlich besucht hätte.

Die Getreideernte ist in vollem Gang. Auf unserer Reise von Leipzig nach Polen blicken wir immer wieder fasziniert auf die grossräumigen Kornfelder, auf denen Mähdrescher und Traktoren mit Ladewagen Staub aufwirbeln. 

Luther-Kult in Wittenberg

«1517 – 95 Mal hat MARTIN den Nagel auf den Kopf getroffen!», steht am Souvenirstand des lokalen Tourismusbüros auf einem T-Shirt geschrieben. MARTINS Konterfei prangt auch auf Büchern, Postkarten und Likörflaschen. Martin Luther (1483-1546), der grosse Reformator, Theologe und Bibelübersetzer, ist in Wittenberg eine Kultfigur. Mit dem Thesenanschlag Luthers 1517 an die Tür der Schlosskirche wurde die Reformation eingeleitet und die Kirchenspaltung in ganz Europa vorangetrieben. 

Luther schuf sich aber auch mit frechen, frischen und knackigen Sprüchen einen Namen. «Frauen soll man loben, sei es wahr oder gelogen», war ein Geistesblitz von ihm. Oder: «Ohne Thesen nichts gewesen.» 

Vor einem Coiffeurgeschäft steht auf einer Tafel: «Man muss mit allem rechnen – auch mit dem Schönen». Cool. Luthers Geist scheint noch immer über Wittenberg zu schweben.

Wittenbergs Wahrzeichen: In der Schlosskirche befindet sich das Grab von Martin Luther.

Fernfahrer suchen einen anderen Weg

Die Reise geht weiter nach Posen. Wir fahren auf der «Autobahn der Freiheit» durchs Bundesland Brandenburg. In Frankfurt an der Oder passieren wir die EU-Grenze zwischen Deutschland und Polen. Was danach sofort auffällt: Der Verkehr nimmt drastisch ab. Das hat auch damit zu tun, dass viele Fernfahrer auf ihrem Weg nach Russland, Weissrussland, Estland, Litauen oder in die Ukraine gebührenpflichtige Autobahnen meiden.

Willkommen in Polen: Die Woiwodschaft Lebus grüsst die edelline Gäste.

Händedruck statt Rosen aus Posen 

Auf einem abendlichen Stadtrundgang durch Posens Altstadt zeigt uns Guide Krzysztof Pierowski bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Rathaus und die erzbischöfliche St.-Peter-und-Paul-Domkirche. Unterwegs kreuzt ein Hochzeitspaar unseren Weg. Ein Gentleman aus unserer Gruppe lässt es sich nicht nehmen, der Braut zu gratulieren – nicht mit Rosen aus Posen, sondern mit einem Händedruck. edelline Gäste haben eben Stil!

Autor: Thomas Wälti

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