Perlen des Ostens - Tag 7

Autofreier Tag in Riga

Labrit (Guten Morgen) liebe Leserinnen und Leser!

Heute macht unser Edelliner eine verdiente Pause. Wir bleiben den ganzen Tag in Riga und gestalten das Programm zu Fuss. Nijole macht uns mit Milda bekannt. Sie geniesst einen wunderbaren Blick über die Stadt. Milda steht zuoberst auf dem Freiheitsdenkmal und verschönert die 1- und 2-Euro-Münzen von Lettland.

Fussabdruck für die Freiheit

Was Freiheit bedeutet, zeigt uns Nijole auf Rigas Kopfsteinpflaster. Auf dem Boden sehen wir zwei Fussabdrücke. Sie erinnern an den 23. August 1989. An diesem Tag, es ist gleichzeitig der 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakts, sorgt eine 620 Kilometer lange Menschenkette weltweit für Aufsehen. Zwei Millionen Menschen quer durch die baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen halten sich an den Händen. Mobilisiert wurden sie durch entsprechende Komitees überall im Baltikum. Zwei Jahre später sind Estland, Lettland und Litauen unabhängige Staaten.

Symbol für die Freiheit: Fussabdrücke auf dem Rigaer Kopfsteinpflaster.

Teuerste Bibliothek der Welt

Wir spazieren über den Rathausplatz, vorbei am wunderschön rekonstruierten Schwarzhäupterhaus und an der St. Petrikirche. Ich reibe mir verdutzt die Augen: Was ist das? Eine Schanze? Möwe? Oder Düne? Des Rätsels Lösung: Es ist die Lettische Nationalbibliothek. Sie beherbergt mehr als fünf Millionen Titel. Das Schlaraffenland für Leseratten soll von den Baukosten her die teuerste der Welt sein, erklärt uns Nijole. Die Kosten werden gemäss Wikipedia mit 193 Millionen Euro angegeben.

Schlaraffenland für Leseratten: Bibliothek in Riga.

«Vo Lozärn gäge Wäggis zue»

Wir spitzen die Ohren. Wird da etwa die Schweizer Nationalhymne gespielt? In der Tat! Vor den Drei Brüdern blasen zwei Musiker den Schweizerpsalm. Wir treten näher an das malerische Ensemble aus drei alten Giebelhäusern heran. Die Zwei-Mann-Band zeigt das ganze Repertoire und stimmt «Vo Lozärn gäge Wäggis zue» an. «Das wäre jetzt nicht nötig gewesen – ich bin Luzerner», entfährt es dem verzückten edelline Gast Fritz Deppeler.

Schweizer Nationalhymne: Rigaer Stadtmusikanten begrüssen die edelline Gäste.

Orgel mit 6718 Pfeifen

Wir schlendern weiter Richtung Rigaer Dom, vorbei am lettischen Parlament, das die Einheimischen liebevoll «Schokoladenhaus» nennen. An vielen Gebäuden hängen lettische Landesfahnen auf Halbmast oder sind mit einer schwarzen Trauerschleife bestückt. An diesem Tag gedenkt die Stadt der Deportation von Juden durch die Nazis.

Im Rigaer Dom bestaunen wir die wunderschöne Orgel. Mit 6718 Pfeifen (zwischen 3 mm und 10 Meter hoch) ist sie weltweit die zweitgrösste Kirchenorgel. Nur im Passauer Dom steht eine grössere Schwester.

Zweitgrösste Kirchenorgel der Welt: Im Rigaer Dom zieht das Instrument die Besucher in den Bann.

Das Dutzend ist voll

Auch Hansjörg Kirchs Maskottchen – ein herziger Bernhardiner – geniesst den Stadtrundgang. Er hat es sich am Rucksack gemütlich gemacht. Dieser Rucksack füllt sich Tag für Tag mit Erinnerungen. «Überwältigt hat mich die Stadt Danzig», sagt Hansjörg Kirch. Und weiter: «Nach dem Wiederaufbau punktet Danzig mit mittelalterlichem Charme und einem modernen Erscheinungsbild.»

Zum zwölften Mal schon sind Annalise Nydegger und Hansjörg Kirch mit edelline unterwegs. «Wir schätzen das Reisekonzept und geniessen das Bistro, den grosszügigen Sitzkomfort, die guten und zentral gelegenen Hotels sowie die tadellose Organisation», sagt der Zürcher Oberländer. Annalise Nydegger ergänzt: «Mich begeistert jeweils das Neue. Es erweitert meinen Horizont. Und auf dieser Reise lerne ich gleich fünf neue Länder kennen: Polen, Litauen, Lettland, Estland und Russland.»

Ein Rucksack voller Erlebnisse: Hansjörg Kirch und Annalise Nydegger füllen ihn jeden Tag mit neuen Eindrücken.

Thomas gegen Goliath

Am freien Nachmittag schlendere ich durch das Kaufhaus Stockmann. Wow! Was für ein Riese baut sich da vor mir auf: Kristaps Porzingis. Der Schlacks ist Rigas sportlicher Stolz. 2,21 Meter gross, 109,9 Kilogramm schwer, Schuhgrösse 51,5. Es kann nicht erstaunen, dass der Basketballer mit den Gardemassen beim US-amerikanischen NBA-Klub Dallas Mavericks in der besten Liga der Welt spielt.

41 Zentimeter Unterschied: Neben Basketballer Kristaps Porzingis wird der Autor zum Zwerg.

Van Gogh als Multimedia-Spektakel

Am Abend erlebe ich im Doma Laukums ein grandioses Schauspiel. «Die grossen Modernisten – From Monet To Kandinsky» heisst die Multimedia-Show, die selbst mich als Kunstbanause während einer Stunde fasziniert. Grossartige Meisterwerke ziehen an mir vorbei – Monet, Mondrian, Van Gogh, Renoir. Die Show ist eine animierte und mit Musik untermalte Video-Produktion, die man getrost über den Klee rühmen darf – auch er zieht über die Leinwand. Die Multimedia-Show wurde auch in Berlin, Paris, Moskau und Tokio gezeigt.

Balsam für die Seele

Den Abend lassen wir in einer Freiluft-Weinbar ausklingen. Ich bestelle einen «Hot Balsam». Der Schnaps ist Lettlands Nationalgetränk und wird aus 24 verschiedenen Kräutern hergestellt. Ein «Hot Balsam» ist es, wenn er mit schwarzem Johannisbeer-Saft und heissem Wasser ergänzt wird. Er schmeckt köstlich – und ist Balsam für die Seele!

Autor: Thomas Wälti

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