«Porta Nigra» und die glorreichen Sieben

Willkommen in Trier – unserem Reiseziel am 20. März dieses Jahres! Geniessen Sie eine virtuelle Führung durch die älteste Stadt Deutschlands. Lernen Sie mit Gästeführer Götz Feige die Pracht der einstigen Römerstadt und den speziellen Charakter der Triererinnen und Trierer kennen.

Gegründet unter dem Namen "Augusta Treverorum" im Jahre 16 v.Chr. war Trier die erste Römische Siedlung im heutigen Deutschland, welche als Verwaltungsstadt gegründet wurde. Der einstige Name dieser Römischen Stadt umgreift neben dem Gründungsvater der Stadt, dem Römischen Kaiser Augustus, auch den Gallischen Stamm der Treverer, die hier einst lebten. Diese wurden zuvor bereits vom bekannten Römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar in seiner Schrift «Der Gallische Krieg» als tüchtige Leute im Umgang mit dem Pferd erwähnt.


Blick auf das Amphitheater (unterhalb der Rebstöcke).

Von der Pracht der Römerstadt sind heute noch zahlreiche Bauwerke erhalten, teilweise auch dort, wo man sie nicht sieht. Das mächtige Nordtor der Römischen Stadt, die «Porta Nigra», ist weltbekannt und ebenso heute ein Unesco-Welterbe wie sieben weitere Gebäude in Trier. Unbekannt sind die Tempel am Altbach (übererdet), das unterirdische Römische Gräberfeld unter der einstigen Kirche St. Maximin (Zugang nur mit speziell ausgebildetem Dom-Führer) oder der Kryptoporticus (ein unterirdischer Wandelgang; Zugang derzeit nicht zugelassen), um nur einige der verborgenen Schätze von Trier zu nennen.


Das römische Stadttor Porta Nigra  Wahrzeichen der Stadt Trier.

Mönche und Nonnen wirken in der Stadt

Bereits in der Antike bildete sich Trier zudem als ein christliches Zentrum aus, was die Ausgrabungen einer Frühkirche unter der heutigen Dominformation sowie die auf den Römischen Gräberfeldern teilweise praktizierten Begräbnisrituale bezeugen. Das grösste Zeugnis der frühen christlichen Aktivitäten stellt aber der Trierer Dom dar, der heute noch römische Bauteile und Baustoffe aufweist. Sitz eines Bischofs seit dem 3. Jahrhundert n.Chr., wurde Trier im Mittelalter Erzbistum, was die Stadt bis zur Französischen Revolution auch blieb. Heute besteht noch ein einflussreiches Bistum in Trier und in der Stadt wirken auch heute noch zahlreiche Mönche sowie Nonnen in Klöstern, Stiften oder als freie Kongregationen in Krankenhäusern.

«Unn?» oder «Ei…» – Gruss oder Abschied in der Universalsprache

Und die heutigen Trierer? Sie sind das Resultat dieses reichen historischen Erbe! Gezeichnet von der sehr langen, vielfältigen und in manchen Zeiten auch nicht unproblematischen Geschichte, ist er, der Trierer oder sie, die Triererin, heute ebenso vielfältig und manchmal auch nicht unproblematisch, da zeitweise etwas lethargisch. Im Laufe der Trierer Geschichte haben sich so viele unvorhersehbare Ereignisse ergeben, dass die Trierer oft nicht wussten, woran sie waren. Und so kann es einem heute passieren, dass man einen verdutzten Trierer grüsst und dieser so lange über die korrekte Formulierung der Grusserwiderung nachdenkt, dass er vergisst, in welcher Sprache er antworten soll. Aus Verschämtheit sagt er dann entweder gar nichts oder benutzt die Universalformel «Unn?». Die Verabschiedung fällt mit «Ei…» dann ebenso unmissverständlich aus, und das Gespräch wurde ebenso souverän beendet wie man es begonnen hatte.

Sprachenwirrwarr in Triers Strassen

Einen Eindruck dieser vielen Einflüsse kann man auch heute noch verspüren, wenn man Trier zum Wochenende hin besucht. In den Strassen hört man Menschen sich in französischer, englischer, luxemburgischer, flämischer und chinesischer Sprache unterhalten und manchmal ist auch ein verzweifelter Hochdeutsch sprechender darunter, der die Trierer Universalsprache nicht beherrscht.
Die Geschichte lebt hier fort.


Blick über die Mosel.

In vino veritas

Unbedingt lohnt sich der Besuch eines Weingutes oder einer Kellerei sowohl an der luxemburgischen als auch der deutschen Mosel! Was die Bewohner von Luxemburg und Trier nämlich vor allem verbindet, ist der in beiden Städten und natürlich auch in den umliegenden Dörfern zelebrierte Weingenuss. Diese Tradition reicht bis in die vorrömische Zeit zurück. Wein war Kultgetränk, man konnte nach ausreichendem Genuss die «Götter anrufen» und ausserdem war Wein einfach meist gesünder als Wasser, da er weniger Keime enthielt. Des Weiteren ist der Moselwein ein Naturprodukt. Dies kann man schon daran erkennen, dass die Mosel in einigen Bereichen so viele Mäander schlägt, dass man sie glatt für betrunken halten könnte. So ist der Wein hier sowohl Natur als auch Kultur, zwei der höchsten Güter, die eine Region ausmachen. Einen Wein direkt beim Erzeuger zu probieren, sollte man sich daher an der Mosel nie entgehen lassen. Bei einer Verkostung in Luxemburg empfiehlt es sich absolut, einen dieser phantastischen Crémants zu probieren. Oder mehrere. Amata vitis – beata sitis! (Geliebte Rebe, glückseliger Durst)


Wie gemalt: Die deutsch-luxemburgische Mosel bei Wormeldingen und Wincheringen.


Text: Götz Feige/Thomas Wälti
Bilder: Götz Feige

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