Nordlichter: Das grüne Wunder

In Norwegen sind Nordlichter mit ihren grün leuchtenden Schleiern das wohl beliebteste Fotomotiv im Winter. Der renommierte Naturfotograf Bernd Römmelt erklärt im Interview, wie dieses Lichtphänomen entsteht. Der deutsche Abenteurer stimmt Sie auf unsere exklusive Reise Anfang März 2020 in den hohen Norden ein.

Zwischen September und April, wenn es dunkel wird im hohen Norden, steigen die Chancen, ein seltenes Lichtschauspiel zu beobachten. Polarlichter bringen den Himmel über dem nördlichen Polarkreis dann zum Leuchten. Wer Glück hat, kann Anfang März 2020 mit edelline in Norwegen das grüne Wunder erleben. Das Hurtigruten-Postschiff MS Vesteralen gleitet mit Ihnen bequem in die nördlichste Universitätsstadt der Welt nach Tromsö, weiter ans Nordkap und schliesslich in den Zielhafen Kirkenes, der nur zehn Kilometer von der russischen Grenze entfernt ist.

Wie entsteht eigentlich ein Nordlicht? Gibt es einen Unterschied zwischen Polarlichtern und dem Nordlicht? Wie fotografiert man Polarlichter am besten? Der renommierte National-Geographic-Fotograf Bernd Römmelt hat diese und weitere spannende Fragen in einem Interview mit der GRENZGANG-Autorin Patricia Pilgram beantwortet.

Der 51 Jahre alte Fotograf und Reisejournalist aus München verbringt mehr als 200 Tage im Jahr auf Reisen im In- und Ausland. Der hohe Norden mit Alaska, Kanada, Grönland, Island, Spitzbergen, Lappland und Russland gehört dabei zu seinen bevorzugten Reisedestinationen.

Bild: Bernd Römmelt, ZVG

Der bekannte Naturfotograf Bernd Römmelt ist fasziniert von den Polarlichtern.

Als Explora-Referent wird Bernd Römmelt im Rahmen seiner Multivisionsshow «Im Bann des Nordens» im März 2020 auch mehrmals in der Schweiz auftreten.

«Innerhalb von 20 Minuten explodierte der Himmel förmlich»

Patricia Pilgram (GRENZGANG): In deiner Reise-Reportage «Im Bann des Nordens» zeigst du wunderschöne Aufnahmen von Polarlichtern. Kannst du dich an deine erste Begegnung mit diesem Naturphänomen erinnern?
Bernd Römmelt: Das war 1998 in Nordalaska. Ich war im September in der abgelegenen Brooks Range unterwegs, als sich plötzlich der schwache grüne Boden eines Nordlichts am Himmel zeigte. Innerhalb von knapp 20 Minuten explodierte der Himmel förmlich. Ich fotografierte die ganze Nacht – alles noch auf Diafilm. Zu Hause war die Enttäuschung gross, kein einziges Bild ist etwas geworden. Die Polarlichtfotografie war damals noch etwas richtig Anspruchsvolles.

Und heute?
Heute ist es relativ einfach. Man kann die ISO Zahlen der Kameras ja fast beliebig nach oben schrauben, man sieht am Bildschirm sofort, ob das Polarlicht etwas geworden ist.

Kannst du uns ein paar Tipps geben, wie man Polarlichter am besten in Fotografien festhält?
Um gute Polarlichtbilder hinzubekommen, ist aber dennoch einiges zu beachten. Nicht zu lange belichten, so kurz wie möglich, so lange wie nötig. Das wiederum kann man erst einschätzen, wenn man schon ein paar der Polarlichter fotografiert hat.

Magst du uns kurz und wenn möglich nicht zu wissenschaftlich erklären, wie Polarlichter entstehen?
Polarlichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen, die von der Sonne kommen, auf die Atome der äusseren Erdatmosphäre treffen. Dort werden sie durch das Magnetfeld der Erde zu den Polen geleitet, sie spalten sich und beginnen zu leuchten – so oder so ähnlich funktionieren Polarlichter.

Gibt es einen Unterschied zwischen Polarlichtern und dem Nordlicht?
Nein, Nordlichter sind Polarlichter im Norden. Im Süden gibt es auch Polarlichter, man spricht dann von Südlichtern.

Nordlichter / Bild: Bernd Römmelt, ZVG

Polarlichter zu sehen, ist der Traum vieler Menschen: Hast du einen Tipp, wann und wo man dieses Naturschauspiel am besten beobachten kann?
Zu sehen sind Polarlichter natürlich immer nur dann, wenn es dunkel wird im Norden. Also zwischen September und April. Am besten reist man hinauf zum Polarkreis, dort sind die Chancen am grössten.

Wenn ich nun vorhabe, in diese Gegend zu reisen – gibt es so was wie eine «Polarlicht-Garantie»?
Nein, natürlich nicht. Es muss klar sein und es muss eine gewisse Sonnenaktivität vorhanden sein. Polarlichter beginnen oft mit einem unscheinbaren, leicht grünlich schimmernden Bogen am Himmel. Oft ist dieser erst gar nicht als Polarlicht erkennbar, trotzdem dranbleiben, denn meist entwickeln sich daraus tolle Spiralen.

Seit mehr als 20 Jahren bereist du die Regionen der Nordhalbkugel. Woher kommt deine Faszination für die Arktis?
Ich mag’s einfach kalt. Ich mag die Weite, die Stille, die Ruhe, die Wildheit dieses grandiosen Lebensraums. Ich mag das ganz besondere Licht, die Tiere, die speziellen Menschen des Nordens. Der Norden ist für mich in erster Linie ein Gefühl… das man nicht beschreiben kann… es ist einfach da. Ich habe mich vor 30 Jahren mit dem Nordvirus infiziert und bin bis heute nicht geheilt worden.

Dass es um die Arktis nicht gut bestellt ist, wissen wir aus den Medien: Das Eis in der Arktis schmilzt, im September hat das erste Containerschiff den Arktischen Ozean überquert und Eisbären finden immer weniger Nahrung. Was konntest du bei deinen zahlreichen Reisen beobachten?
Der Zustand ist dramatisch. Alles wird wärmer und das im Rekordtempo. Das Packeis schmilzt immer früher und bildet sich später, die Gletscher schmelzen, der Permafrostboden taut auf. Die Bewohner der Arktis, Tiere wie Menschen, müssen sich auf vollkommen neue Begebenheiten einstellen. Den Menschen gelingt das weitaus besser als den Tieren. Der Eisbär kann nur auf dem Packeis überleben, nur dort findet er Beute. Gibt es kein Eis mehr, dann gibt es keine Beute, sprich keine Nahrung. Der Eisbär wird aussterben, wenn es so weiter geht mit dem menschengemachten Klimawandel.

Aus deiner Sicht: Wie steht es um die Zukunft der Region über dem nördlichen Polarkreis – gibt es für die Arktis noch Hoffnung?
Oh mei. Dazu ist ja eigentlich schon alles gesagt worden. Die Arktis wird nur überleben, wenn wir es endlich schaffen, unseren CO₂-Ausstoss zu reduzieren. Wie schwierig das ist, sieht man ja. Auch wenn wir jetzt alles tun, um so wenig wie möglich CO₂ auszustossen, kann das, was in der Arktis jetzt schon passiert ist, nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Arktis ist ein schwer angeschlagener Patient, ob sich «der» nochmals erholt, ist fraglich.

Was sollten wir unbedingt tun, um die Natur zu schützen?
Wir brauchen eine neue Bescheidenheit… von allem weniger. Es geht nur durch Verzicht. Das traut sich aber keiner zu sagen. Wir leben seit Jahrzehnten über unsere Verhältnisse. Um jetzt wieder ins Gleichgewicht zu kommen, müssen wir verzichten. Das heisst, weniger Auto fahren, weniger schnell Autofahren (TEMPOLIMIT), weniger Fleisch essen, weniger Reisen (ja, leider auch das)!

Und zum Schluss: Was erwartet die Besucher bei deinen Reise-Reportagen?
Ich werde einmal um den nördlichen Polarkreis reisen und die Vielfalt dieser Region zeigen. Ich werde einzelne Regionen, aber auch spezielle Ereignisse vorstellen, wie zum Beispiel das Yukon Quest, das härteste Hundeschlittenrennen der Welt oder den winterlichen Rentierscheid der Samis (die frei lebenden Rentiere der Samis werden zusammengetrieben und markiert, die Red.). Es wird wild – das kann ich versprechen. vorbeischippern lassen?

www.grenzgang.de

Nordlichter / Bild: Bernd Römmelt, ZVG

Quelle Bilder: Bernd Römmelt, ZVG

 

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