«Der Zoo Zürich ist für Löwen kein ödes Schlaraffenland»

Interview mit Dr. Martin Bauert, Leiter Naturschutz Zoo Zürich

Macht es einem Delfin Spass, mit einem Menschen zu schwimmen? Sind Fotosafaris noch zeitgemäss? Verhält sich ein Löwe in der Wildnis gleich wie im Tierpark? Dr. Martin Bauert liefert Antworten auf diese Fragen. Der Naturschutzbeauftragte des Zoos Zürich spricht zudem über Wildtier-Tourismus, Dienstreisen an exotische Orte sowie über Möglichkeiten, wie sich das Reiseunternehmen edelline für den Artenschutz engagieren kann.

Hand aufs Herz: Macht es einem Delfin Spass, mit Menschen zu schwimmen?
Dr. Martin Bauert:
Für einen Biologen ist es schwierig, Fragen zur Vermenschlichung von Tieren zu beantworten. Ein entsprechendes Verhalten sollte nicht überinterpretiert werden. Ich antworte mal so: Wenn das Treffen zwischen Menschen und Delfinen zwanglos abläuft, sehe ich da kein Problem. Delfine sind neugierig. Sie haben Spass, in den Bugwellen von Schiffen zu schwimmen.

Bereitet Ihnen der Wildtier-Tourismus Sorgen?
Nein. Im übergeordneten Sinn hilft er mehr, als er schadet. Ich vergleiche es gerne mit dem Wintertourismus in den Schweizer Bergen. Wir wissen, dass planierte Skipisten das Ökosystem beeinträchtigen. Aber wir beklagen uns nicht, denn wir sind uns im Klaren darüber: Der Wintersport ist für viele Skistationen ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, weil er Arbeitsplätze garantiert. So verhält es sich mit dem Wildtier-Tourismus in Afrika. Er spült Geld in die Kassen der Reservate. Mit diesem Geld können Parkwächter, Schutz- und Aufzuchtprogramme sowie die Bekämpfung der Wilderei finanziert werden. Das Geld der Touristen trägt signifikant dazu bei, dass einheimische Pflanzen- und Tierarten geschützt werden können.

Gibt es noch andere Beispiele, wo und wie man mit dem Geld des Wildtier-Tourismus sinnvolle Arbeit leisten kann?
Ich könnte unzählige Beispiele aufzählen. Im Masoala Nationalpark in Madagaskar, wo der Zoo Zürich ein Naturschutzprojekt unterstützt, stellen Brandrodungen zur Gewinnung von Landwirtschaftsfläche, der illegale Holzhandel und die unkontrollierte Jagd auf Wildtiere die grössten Naturschutzprobleme dar. Die finanzielle Unterstützung hilft, Projekte zur Regenwalderhaltung, Aufforstung, nachhaltigen Landwirtschaft, Wasserversorgung und Hygiene sowie zur Schulbildung von Kindern zu unterstützen. Aber sobald der Tourismus in einer Region präsent ist, gehen illegale Aktivitäten sofort von allein zurück, weil sie nicht mehr im Verborgenen getätigt werden können.

Safari-Besucher wollen im Jeep den Wildtieren immer näherkommen. Es lockt das perfekte Selfie für die Follower auf Social Media. Welche Folgen hat dieses Verhalten?
Dieses Verhalten stört wohl eher die fotografierenden Touristen selbst als die Tiere im Allgemeinen. Löwen, Geparden und Elefanten ist es relativ egal, wenn sie von Safari-Jeeps umzingelt sind. Ähnliches erleben wir im Zoo Zürich. Unsere Wildtiere gewöhnen sich rasch an Zuschauerströme. Sie bleiben ruhig, weil sie keine unmittelbare Gefahr für sich wahrnehmen. Besucher gehören zu ihrem Habitat. Dieses Wort stammt aus der Biologie. Unter Habituation versteht man die Gewöhnung eines Tieres an bisher unbekannte Reize. Sie verlieren allmählich ihre Scheu vor Reizen, die sich für sie als unbedeutend erweisen.
 

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Gibt es Tiere, die sich zurückziehen, wenn die Touristen kommen?
Es ist wissenschaftlich noch nicht erwiesen, aber es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die scheuen Gnus auf ihrer grossen Wanderung vor der Überquerung des Mara-Flusses gestresst sind, wenn dort sehr viele Safari-Jeeps und Touristen stehen. Es ist vorgekommen, dass sich Gnus daraufhin zurückgezogen haben und den Fluss dann an einer anderen Stelle überquert haben. Ich möchte auf ein anderes Problem hinweisen.

Bitte schön.
Damit die Safari-Jeeps die Strasse nicht blockieren und die Gäste einen möglichst guten Blick haben, fahren sie nebeneinander an das steile Flussufer. Das zerstört dort die Vegetation auf einer grossen Fläche.

Aufgrund der Corona-Pandemie blieb der Zoo Zürich zwischenzeitlich geschlossen. Hat sich das Verhalten der Tiere in dieser Zeit verändert?
Ja, ein wenig schon. Unsere Tiere sind sich gewohnt, dass vor ihren Gehegen etwas abläuft. Das Verhalten unserer Gäste ist für sie eine Bereicherung. Diese Bereicherung hat gefehlt, als wir den Zoo schliessen mussten. Besonders die neugierigen Menschenaffen vermissten unsere Besucher. Sie beobachten genauso wie wir, was auf der anderen Seite der Glasscheibe läuft.

Sind Fotosafaris noch zeitgemäss?
Ja. In Zeiten des Klimawandels ist es unabdingbar, Menschen für Themen wie Umwelt, Natur und Tiere zu sensibilisieren. Auf einer Fotosafari können sie ein Gefühl dafür entwickeln. Wenn niemand mehr die Schönheiten der Natur besucht und nur noch in seinem Mikrokosmos verharrt – wie soll er sich im übergeordneten Sinn für den Schutz der Wildtiere einsetzen?

Das gilt vermutlich auch für Tierbeobachtungen mit einem Nationalparkwächter auf der Alp Trupchun im Bündnerland?
Ja, genau. Eine wunderbare Idee, das Bewusstsein für Umwelt, Natur und Tiere zu schärfen. Denn Wildtierbeobachtung setzt ein rücksichtsvolles Verhalten voraus, sonst sieht man keine Tiere. Die markierten Wege dürfen nicht verlassen werden. So wissen die Tiere, welche «Bögen» sie um uns herum machen müssen, wenn sie Ruhe suchen. Lässt man den Tieren diese Ruhe und wandert beispielsweise im Winter mit den Schneeschuhen nicht durch die Balzplätze der Birkhühner, passt das bestens. Ich gebe Ihnen ein anderes Beispiel.

Wir sind gespannt.
Die Fahrt mit der Sesselbahn Gant-Blauherd in Zermatt hält ein Naturschauspiel bereit: Fünf Meter unter dem Trassee äsen Gämsen. Solange alles in vorhersehbaren Bahnen abläuft, laufen die Tiere nicht davon. Sie können die Lage einschätzen und fühlen sich sicher. In solchen Momenten wird auch ein Tier zum Gewohnheitstier. Fährt jedoch ein Snowboarder durch dieses Wildschutzgebiet, scheucht er die Gämsen auf. Die Folge: Sie flüchten und ziehen sich in ein anderes Gebiet zurück.

Wünschen Sie sich, dass Touristen verantwortungsvoller und respektvoller mit den Wildtieren umgehen?
Ja. Ich habe es bereits angesprochen. Touristen, Sportler und Freizeitsuchende sind in der freien Natur manchmal unbedarft unterwegs und informieren sich nur spärlich über das Gebiet, wo sie sich gerade aufhalten. Mit der richtigen Begleitung, zum Beispiel einem Bergführer, Schneeschuh- oder Wanderleiter, könnte verhindert werden, dass Wildtiere von den Menschen gestört werden.

Im Zoo Zürich leben Wildtiere in abgesperrten Gehegen. Können Sie Kritiker verstehen, die sagen, diese Individuen lebten in Gefangenschaft?
Ich kann es ein Stück weit nachvollziehen, dass Kritiker so denken. Dies aus zwei Gründen: Sie haben häufig eine falsche Einschätzung, was in der Natur abläuft. Die vom Genfer Naturforscher Jean-Jacques Rousseau beschriebene Freiheit, die dort herrschen soll, gibt es in der Wildnis nicht. Kein einziges Wildtier ist frei! Jedes Wildtier steht massiv unter Druck – Beutegreifer, innerartliche Konkurrenten und Krankheiten sind seine grössten Feinde. Revierkämpfe um Futterressourcen und zur Fortpflanzung können tödlich enden. Die Natur ist nicht gerecht. Sie hat kein Bedürfnis, dass sich Individuen selbstverwirklichen können – wie etwa wir Menschen. Die Natur verfolgt nur einen Grundsatz: Leben gibt Leben weiter. Ein Frosch produziert 500 Eier. Von diesen 500 Kaulquappen überleben durchschnittlich zwei Tiere. Alle anderen bleiben auf der Strecke und werden mitunter von ihren Geschwistern aufgefressen.
 

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Nennen Sie uns den anderen Grund, der Kritiker auf den Plan ruft.
Wer in Zoos bei Wildtieren stereotype Verhaltensauffälligkeiten beobachtet, soll das Gesehene durchaus kritisch hinterfragen. Nicht alle Zoos verfügen über genügend finanzielle Mittel, um ihre Gehege tiergerecht einzurichten. Laut wissenschaftlichen Publikationen ist das Tierwohl in vielfältig eingerichteten und gut gemanagten Gehegen in den Zoos höher als in der freien Natur, denn es herrscht kein Futtermangel oder Erkrankungen an Parasiten werden behandelt.

Ein Löwe in der Wildnis verhält sich doch nicht gleich wie ein Löwe im Zoo.
Das tut er weitestgehend schon. Wenn er satt ist, schläft er zwölf Stunden lang.

Aber die Löwen müssen im Zoo Zürich nicht jagen wie in der Wildnis.
Der Zoo Zürich ist für Löwen kein ödes Schlaraffenland. Damit keine Langeweile aufkommt, bieten wir ihnen einen Lebensraum, wo sie sich für das Fressen bemühen müssen. Wir stellen den Löwen gewisse Aufgaben, die sie mental herausfordern. Nicht die Fläche des Geheges ist für das Tierwohl entscheidend, sondern die Herausforderungen.

Können Sie ein Beispiel geben?
Wir haben bei den Löwen Futterkisten im Gehege eingebaut. Diese Metallboxen werden verschlossen, wenn sie mit Futter aufgefüllt sind. Über einen Zufallsgenerator deaktivieren wir den Magneten. Das Futter in der Metallbox wird nun zugänglich. Der Löwe kann die Tür mit der Tatze aufdrücken und das Fleisch herausnehmen. Da dieser Prozess geräuschlos abläuft, muss der Löwe fortdauernd beobachten und überprüfen, wann sich die Kiste öffnet. Diese Herausforderung bereichert seinen Alltag. Ich habe vorhin vom Schlaraffenland gesprochen. Wissen Sie, in der Wildnis gehen 90 Prozent der Jagdversuche von Raubtieren erfolglos aus. Da macht sich viel Frustration und Hunger breit. Wenn dies einer Löwin zu oft passiert, verhungern ihre Jungen.

Worauf sollte ein Reiseanbieter achten, wenn er Tierbeobachtungsreisen anbietet?
Tierbeobachtungen sollten stets mit einem Ranger durchgeführt werden. In gewissen Gebieten ist es nicht ungefährlich, das Auto zu verlassen, wenn Löwen in der Gegend sind. In diesem Moment einen professionellen Begleiter dabei zu haben, sorgt für Sicherheit und schützt Menschen wie Löwen.

Finden Sie solche Reisen sinnvoll?
Absolut. Sie bringen Einkommen in diese Regionen und ermöglichen mit den Eintrittsgebühren nicht nur den Betrieb der Nationalparks, sondern zum Teil gar das wirtschaftliche Überleben.

Sie sind für die Naturschutzprojekte des Zoos Zürich zuständig. Welches sind Ihre Aufgaben?
Um es plakativ zu formulieren: Ich muss Geld auftreiben und kontrollieren, ob es vernünftig und korrekt eingesetzt wird. Der Zoo Zürich wird unterstützt von den Besuchern, von Aktionären, Donatoren, Sponsoren, Paten, dem Stiftungsrat mit den Ambassadoren, den Behörden und engagierten Mitarbeitern. Jeder Franken, den wir erhalten, fliesst direkt in ein entsprechendes Projekt.

Welche Projekte unterstützt der Zoo Zürich?
Wir engagieren uns in internationalen Zuchtprogrammen für bedrohte Tierarten und setzen uns in acht Naturschutzprojekten für den Schutz bedrohter Ökosysteme und deren Biodiversität ein. Das Engagement im Naturschutz vor Ort beläuft sich auf rund 1,8 Millionen Franken pro Jahr. Dabei dürfen wir zum einen auf die grosszügige Unterstützung von Partnern und Zoobesuchern zählen, zum anderen fliessen zwei Prozent aller Umsätze unserer Restaurants und Shops direkt in den Naturschutz.

Dienstreisen führten Sie nach Madagaskar, Kenia, Sumatra, Thailand, Kolumbien, Australien und in die Antarktis. Was haben Sie dort gemacht?
Wir überprüften vor Ort den reibungslosen Ablauf der Projekte. Wir kontrollierten etwa, ob diese Schulen und Brunnen tatsächlich gebaut und Rangerteams angestellt worden sind. Ausserdem findet ein reger Austausch mit den Projektleitern in den acht Naturschutzgebieten statt. Diese Informationen helfen uns, entsprechende Gesuche bei Stiftungen in der Schweiz einzureichen.

Was haben Sie in der Antarktis gemacht?
Der Zoo Zürich ist der schweizerische Sitz des Antarctic Research Trust ART, eine Forschungsorganisation, die sich für den langfristigen Schutz der Pinguine, Albatrosse und deren Lebensräume in der Antarktis einsetzt. Ich wollte mir vor Ort ein Bild machen und verstehen, wie ihre wissenschaftliche Arbeit funktioniert. Das hilft mir in Gesprächen mit Spendern und Stiftungsräten, schlagende Argumente vorzubringen.

Welches war der für Sie bewegendste Moment auf Ihren Dienstreisen?
Der Besuch des Masoala Nationalparks in Madagaskar war ein besonderes Erlebnis. Wir unterhalten in dieser Region ein Umweltbildungszentrum und finanzieren unter anderem die Lehrkräfte für 300 Kinder, die samstags freiwillig in die Schule gehen. Ich traf mich dort mit den Lehrkräften dieses Projekts. Wir besuchten den Unterricht. Auf einmal stand ein zehnjähriger Schüler auf und trug ein zehnstrophiges Gedicht über den Naturschutz vor. Niemand hat diesen Buben beauftragt. Es war sein innerstes Bedürfnis gewesen, dieses Gedicht zu verfassen und aufzusagen. Das hat mich tief berührt.

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf die Tier- und Pflanzenarten?
Bei dieser Frage schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Für die Zivilisation ist der Klimawandel eine grosse Bedrohung. Infrastruktur und Nahrungsmittelversorgung werden sich fundamental verändern. Als Biologe mache ich mir weniger Sorgen. Die Natur, also Pflanzen und Tiere, kommen mit dem Klimawandel klar. Seit Jahrmillionen wandern Arten – sie entwickeln sich und verschwinden wieder. Die Frage ist: Wie wichtig nimmt sich der Mensch selbst? Er ist ein Vertreter der Primaten. Es ist anzunehmen, dass die Primatenart Homo sapiens aussterben wird. Möglicherweise auch als Folge des Klimawandels.

Nachhaltiges Reisen heisst Sorge tragen zur Umwelt und Natur sowie ein Bekenntnis zum Artenschutz. Was bedeutet für Sie nachhaltig reisen?
Der Begriff Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Er hat eine ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Facette. Wir sollten uns bemühen, alle drei Teilaspekte zu beachten und uns so verhalten, dass auch die nächsten Generationen ein gutes Leben führen können. Und damit meine ich etwa, keinen Dreck zurücklassen, Verschmutzung verhindern, Kosten nicht den Einheimischen oder zukünftigen Generationen überantworten und anständige Löhne bezahlen. Wer eine achtmonatige All-Inclusive-Weltreise auf einem Ozeandampfer für 10'000 Franken unternimmt, muss wissen, dass die Löhne der Bediensteten auf dem Schiff miserabel sind.

Wie kann sich ein Reiseunternehmen wie die edelline ag für den Artenschutz engagieren?
Indem es seine Gäste anlässlich einer Tierbeobachtungsreise dazu motiviert, sich für den Artenschutz zu engagieren. Oder indem es vor Ort mit Tour-Operators zusammenarbeitet, die sich für den Naturschutz einsetzen. Oder indem es anständige Löhne für die lokalen Guides bezahlt.

edelline kann aber auch im eigenen Umfeld zur Erhaltung der Biodiversität beitragen, mit kleinen Aktionen auf dem eigenen Parkplatz zum Beispiel. Statt mit Unkrautvernichter die Fläche zu reinigen, könnte der Platz so bewirtschaftet werden, dass das Regenwasser versickert und dadurch Nischen für Insekten und Igel, Unterschlüpfe für Fledermäuse und Nistkästen für Vögel entstehen. Oder indem es eines unserer acht Naturschutzprojekte mit einem Beitrag direkt unterstützt.

edelline wird in näherer Zukunft in Kooperation mit dem Zoo Zürich voraussichtlich eine Reise umsetzen. Worauf sollten wir bei der Planung und Organisation besonders achten?
Ich habe bereits ein paar Punkte angeschnitten und wiederhole mich gerne: Es empfiehlt sich, diese Reise mit der Unterstützung von professionellen Tour-Operators vor Ort durchzuführen, damit keine Kollateralschäden entstehen. edelline sollte bei seinen Gästen das Feuer der Leidenschaft für die Erhaltung von Tierarten und ihrer Habitate entfachen, damit sie nicht nur die atemberaubende Tierwelt geniessen, sondern auch die lokale Bevölkerung kennenlernen, die ein solch wunderbares Naturschauspiel erst möglich macht. Wenn zwischen den Tieren, Einheimischen und Touristen eine Verbundenheit entsteht, ist die Natur die grosse Nutzniesserin davon.

Nachhaltigkeit und Nähe zur Natur sind auch für uns wichtige Treiber in der Entwicklung unserer Angebote. Wo sehen Sie die Grenze in Bezug auf den Schutz der Fauna und Flora der Schweiz bei der Entwicklung immer spektakulärerer Angebote?
Reiseunternehmen sollten eine gute Abgrenzung finden zwischen nachhaltigem Tourismus und «Quick-and-Dirty-Konsum». Wer ein Selfie mit einem Wildtier macht, um sich in den sozialen Medien zu profilieren, schiesst am Ziel vorbei. Wer einem Wildtier jedoch mit Respekt begegnet, trägt dazu bei, dass Begegnungen zwischen Menschen und Tieren entspannt verlaufen.

Wie hoch ist der gesellschaftliche Nutzen, Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit der Natur und insbesondere mit der Fauna auseinanderzusetzen?
Sehr gross. Wenn wir es fertigbringen, auf einer Wanderung durch den Schweizerischen Nationalpark den Gämsen, Steinböcken und Hirschen respektvoll zu begegnen, hat dieses achtsame Verhalten auch Einfluss auf das Miteinander in der modernen Gesellschaft. Es trägt zu einer besseren und friedlicheren Welt bei.

Interview: Thomas Wälti


Zur Person: Dr. Martin Bauert

Martin Bauert wurde am 11. September 1964 in Zürich geboren. 1995 promovierte er an der Universität Zürich in Biologie und absolvierte danach ein Post-Doc an der ETH Zürich. Von 2013 bis 2020 führte Dr. Martin Bauert beim Zoo Zürich als Leitender Kurator den Bereich Naturschutz und Tiere. Seit 2021 ist er hauptverantwortlich für die Naturschutzprojekte des Zoos Zürich. Er ist Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung.

Dr. Martin Bauert pflegt einen engen Austausch mit den Projektverantwortlichen in Madagaskar, Thailand, Kenia, Sumatra, Kolumbien und Brasilien. Der Zürcher ist Vizepräsident der schweizerischen Fachkommission für die Belange des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES und war neun Jahre lang Präsident von proMADAGASCAR, der Dachorganisation für die Entwicklungszusammenarbeit Schweiz-Madagaskar.

Dr. Martin Bauert, Zoo Zürich
Dr. Martin Bauert, ZVG


Impressionen aus dem Zoo Zürich

Koala Milo in der Australien-Aussenanlage

(c) Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

Masoala Nationalpark

Medair und der Zoo Zürich ermöglichen 125‘000 Einwohnern der Masoala Region den Zugang zu sicherem/sauberem (Trink-)Wasser. Dadurch werden Durchfallerkrankungen wirksam verhindert.
Martin Bauert, Monique Zillimary und Ben Paine.

(c) Zoo Zürich 

Baumkronen-Weg im Masoala Regenwald

(c) Zoo Zürich, Corinne Invernizzi

Naturschutzprojekt Antarctic Research Pinguin

Antarctic Research Trust ART. Königspinguin Aptenodytes patagonicus.

(c) Zoo Zürich 

Westliche Flachlandgorillas

(c) Zoo Zürich, Peter Bolliger

Löwe Panthera

Asiatischer (eh. Indischer) Löwe Panthera leo persica mit Fisch.

(c) Zoo Zürich

Masoala Nationalpark

In Andranoanala wurden über 60‘000 einheimische Bäume aus Samen gezogen und ausgepflanzt.

(c) Zoo Zürich 

Ganzkörperfütterung im Zoo Zürich

Asiatischer (eh. Indischer) Löwe Panthera leo persica bei einer  Ganzkörperfütterung einer Kuh.

(c) Zoo Zürich 

Masoala Regenwald im Zoo Zürich

Blick von oben auf den Masoala Regenwald.

(c) Zoo Zürich 

Amurtiger

(c) Zoo Zürich, Enzo Franchini

Quelle Bilder: Zoo Zürich 

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